Fahrendes Volk

Scherenschleifer



external image 220px-Carrick%2C_Knife-grinder.jpgScherenschleifer um 1878


Der Scherenschleifer ist ein alter Wanderberuf, der bis heute hauptsächlich von Jenischen, Sinti und Roma ausgeübt und von anderen Bevölkerungsgruppen in abwertender Weise angesehen wird: z. B. existiert bis heute das schwäbische Schimpfwort „Schereschleifer“, was einen Taugenichts beschreibt. Mit seinem Standardgerät (vgl. Wetzstein) zog der Scherenschleifer über Land und durch die Städte, wo er Scheren, Messer, Dolche usw. der Privathaushalte neu anschärfte. Der Name rührt von seiner anspruchsvollsten Aufgabe her, ein Paar Scherenblätter passend zu schleifen.
Das Prinzip des Schleifens ist immer gleich: Die Schneide z. B. der Schere wird über eine noch härtere Fläche der Länge nach bewegt und die entstehende Hitze muss gegebenenfalls abgeführt werden. Die einfachste Vorrichtung, in volkskundlichen Museen noch zu betrachten, ist ein fahrbarer, länglicher und offener Wasserkasten, in den der runde Stein von oben halb hinein ragt. Dieser wird mit dem Fuß oder der Linken umgekurbelt, während die Rechte das Schärfgut führt.
Scherenschleifer sind immer seltener anzutreffen, da heutzutage nur wenige Menschen ihre Dienste benötigen. Durch moderne Massenproduktion sind Messer und Scheren so billig geworden, dass viele einfach zu einem neuen Werkzeug greifen, anstatt die alten in gutem Zustand zu halten.
Gelegentlich hatte der Scherenschleifer, um Publikum anzuziehen, ein dressiertes Äffchen dabei. (Daher noch die Radfahrer-Redensart: Er sitzt da wie’n Affe auf’m Schleifstein – das Tier ‚saß‘ auf dem drehenden Stein natürlich nie, sondern hüpfte dauernd mit dem Hinterteil auf und ab.)
Im Grimmschen Märchen Hans im Glück ist der Scherenschleifer der allerletzte und -ärmste Tauschpartner des Hans, und auch er übervorteilt ihn noch.
Der artverwandte handwerkliche Ausbildungsberuf heißt Schneidwerkzeugmechaniker, Fachrichtung „Schneidemaschinen- und Messerschmiedetechnik“.
Ein (schlüpfriges) Volkslied, das die Thematik aufgreift und noch heute im süddeutschen Raum bei Feierlichkeiten oder zu manch späteren Stunde im Wirtshaus von sich gegeben wird, heißt Die Schleifer von Paris.




(Quelle: http://de.wikipedia.org)

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