Fahrendes Volk

Hausierer



Als Hausierer werden von Haus zu Haus gehende Händler bezeichnet. Sie bieten im Gegensatz zum Handelsvertreter oder Handelsreisenden, die im Auftrag einer Firma unterwegs sind, ein eigenes Warensortiment auf eigene Rechnung an.
In der heutigen Zeit gelten für Hausierer die Bestimmungen für ein Haustürgeschäft und sie benötigen eine Reisegewerbekarte.

Geschichtliches

Früher galt die Bezeichnung Hausierer auch für Dienstleistungen wie Kesselflicker und Scherenschleifer. Bot ein Hausierer Schriften unterhaltsamen oder sensationellen Inhalts an, war er ein Kolporteur. Kurzwaren waren der bevorzugt angebotene Artikel insbesondere jüdischer Hausierer. Während der Ausübung seiner Tätigkeit transportierte der Hausierer oder der Kolporteur seine Ware aus eigener Kraft mit dem Schubkarren oder Handwagen, in einem Rückentragekorb oder einem übergeworfenen Quersack oder er bot sie in einem Bauchladen an. Als sozialer Aufstieg galt ein Hundegespann, Fahrrad, Pferdefuhrwerk und in der Zeit zunehmender Technisierung ein Automobil. Hausierer gehörten oft ethnischen Minderheiten an und waren Zigeuner, Juden oder Jenische. Sie waren fester Bestandteil insbesondere der ländlichen Sozialstruktur, man richtete sich auf ihr durchaus erwünschtes, oft herbeigesehntes Kommen ein. Eine ihrer wichtigsten Nebenfunktionen war, dass sie Nachrichten und Informationen aus dem weiteren Umfeld überbrachten. Der Hausierer ist deshalb eine wichtige Figur in der Dramaturgie z.B. Jacquier (Michel Simon) in Es geschah am hellichten Tag oder Jéricho (Pierre Renoir) in Die Kinder des Olymp.

Ähnliche Gewerbe

Die heute auftretende eher aufdringliche Form des Hausierens wird in Deutschland Drücker genannt. Hierbei werden von reisenden Kolonnen oft Zeitschriftenabonnements, Mitgliedschaften in einem Verein oder angebliche Behindertenware im Auftrag einer Firma verkauft.
Eine Bezeichnung für ambulante Kleinhändler mit Marktständen ist fliegender Händler.

Literatur

  • Franz Jung: Hausierer. Gesellschaftskritischer Roman. Einband und Typographie von Jan Tschichold. Der Bücherkreis, Berlin 1931.
  • Albert Vogt (Hg.): Unstet. Lebenslauf des Ärbeeribuebs, Chirsi- und Geschirrhausierers Peter Binz. Von ihm selbst erzählt. Chronos Verlag. Zürich 1995. ISBN 978-3-905311-76-1.




(Quelle: http://de.wikipedia.org)

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