Fahrendes Volk

August Winnig



31.3.1878, + 3.11.1956 Bad Nauheim. Winnig ist Nachkomme der lutherischen Totengräberfamilie der Stadt Blankenburg im Harz und jüngstes Kind von zwölf Geschwistern. Nach der Volksschule lernt er Maurer und arbeitet 12 Jahre in diesem Beruf. Nach der Lehre geht er achtzehnjährig auf die Walz (Mai 1896 - Mitte 1898) und lernt Braunschweig, Hannover, Bremen, Bremerhaven, Münster, Recklinghausen, Herne, Essen, Köln, Rüdesheim und Mannheim kennen. Er fühlt sich bereits als Schriftsteller und Dichter. Wichtig sind ihm seine Erfahrungen in der sozialistischen Bewegung, überall in den größeren Städten sucht er wieder Anschluß, geht zu Vorträgen und Diskussionsabenden. 1900-1902 dient er im Infanterieregiment 46, 1905 wird er Redakteur des Maurer-Fachblattes "Grundstein", ab 1913 ist er für die SPD Mitglied der hamburgischen Bürgerschaft. 1918 wird er zum Reichskommissar des Ostens und zum Botschafter bei den provisorischen Regierungen von Estland und Lettland ernannt, ab 1.7.1919 ist er Oberpräsident von Preußen, außerdem Mitglied der Nationalversammlung. Nach dem mißglückten Kapp-Putsch wurde er von seinem Amt suspendiert und schied aus der SPD aus. Mittlerweile bewegte er sich politischen bereits jenseits des rechten Randes der SPD und hatte den Putsch gebilligt. In einer Biographie von 1933 wird sein "tapferes Eintreten für das deutsche Volkstum" hervorgehoben. Von 1922 bis 1924 studiert er Geschichte und Volkswirtschaft und beginnt dann zu schreiben. Auf eine Reihe autobiographischer Bücher folgen dann Romane, Novellen, Erzählungen und Werke zur politischen Geschichte und zum Christentum, insgesamt circa 40 Bücher. Politisch zieht er sich immer mehr zurück, lehnt auch 1933 die ihm angebotene Führung der deutschen Arbeitsfront ab und bewegt sich in einem konservativen und christlichen Umfeld.
Seine Erinnerungen an die Walz schreibt er erst nach mehr als zwanzig Jahren aus der Erinnerung auf, sein Wandertagebuch ist teils weggeworfen, teils unleserlich. Auf der Reise lernt er, daß das Maurerdasein für ihn eine wichtige Erfahrung ist, ebenso wie das Reisen, daß er jedoch in beidem keine Erfüllung finden kann.



(Quelle: AGIR/ In Trittlingen unterwegs)

www.moritzrabe.de