Fahrendes Volk

Arminius Hasemann



*6.9.1888, Bildhauer und Graphiker, stammt aus Berlin und lernte dort an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbes, studierte dann an der Karlsruher Akademie Bildhauerei und Graphik. Seine beiden Wanderungen fanden wahrscheinlich nach 1906 statt, jedoch vor dem Ersten Weltkrieg und dauerten zumindest mehrere Monate. Das erste Mal reist er mit dem Maler Bröker und seinem Bruder nach Florenz und Venedig. Auf der zweiten Reise begleiten ihn Cassian Eisenzahn und Tönchen Strömer, ein Ungarn. Beide spielen Geige, Hasemann schlägt die Laute und gemeinsam verdienen sie ihr Geld mit der Musik in Wirtshäusern, auf der Straße oder bei Privatpersonen. Wenn sie gut verdienen, leben sie in teuren Hotels und Gasthöfen, werden bei Reichen gut verköstigt, denen ihre Musik gefällt, dann wieder knurrt ihnen der Magen und sie reißen Platte."Lagen wir heute auf dem Schutthaufen, morgen speisten wir dafür im Hotel Milano am Canale grande in Venedig, zwischen englischen Pfarrern und reichen Kaufleuten." Einmal reicht ihnen eine Mark für das tägliche Essen und die Unterkunft, ein andermal schlagen sie in zwei Tagen zweihundert Mark auf den Kopf, um dann wieder mit leeren Taschen da zu stehen. "Reicht unser Geld fürs Nachtquartier? Wenn nicht, so wird gespielt, und du ... gehst mit dem Teller unter die Leute." Ihre Reise führt durch den Schwarzwald über Gutach (dort wohnt sein Onkel, der Maler Wilhelm Hasemann), dann in die Schweiz. Über Montreux, Martigny, Lyon, Brienz und Simplon tippeln sie nach Italien, dann nach Lugano. Sprach- und Geldschwierigkeiten überwinden sie immer wieder mit ihrer Musik, damit verdienen sie Essen und Übernachtung, gewinnen Kontakte und erhalten oft sogar Geld. In Genua schiffen sie sich auf einem billigen Kohlendampfer ein, durchkreuzen das Mittelmeer, sind kurz in Ceuta und verlassen in Gibraltar das Schiff. Zu Fuß geht es über Estepona nach Malaga, dann mit dem Schiff nach Barcelona und zurück nach Hause. Hasemann erzählt viel von Frauengeschichten, vom Wein und von Musik. "Das sind die beiden großen Genüsse dieser Welt - Wein und Weib, die darf man nicht erkaufen." Sein persönlicher Gewinn aus der Reise ist es, die Frau gefunden zu haben, die er liebt und mit der leben kann. "Hinter mir liegen jetzt die Zeiten der Landstraße, da ich jetzt einen Raum habe, in dem ich schaffen kann und beweisen, daß wir nicht untergegangen sind im Würfelspiel des Lebens; hinter mir - und doch sehnt sich mein Gemüt oft nach ihnen." Außerdem beginnt er mit dem Holzschnitt und hat damit großen Erfolg. Den ersten Weltkrieg verbringt er an mehreren Fronten. Nach dem Krieg (1917) veröffentlicht er "Himmel und Hölle auf der Landstraße", das bis 1922 immer neue Auflagen erlebt, aber sein einziges Buch bleibt; später werden noch drei Mappen mit Holzschnitten veröffentlicht.




(Quelle: AGIR/ In Trittlingen unterwegs)


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